Musik Express Staff. "Punk Scene in London." Musik Express, no. 11, Nov. 1977, pp. 32-34

Punk Scene in London

Musik Express surveys London's punk explosion, profiling key bands like Sex Pistols, The Clash, and The Stranglers dominating the UK charts, Sex Pistols' controversial rise with God Save The Queen hitting #1 despite radio bans and label dropouts

The Stranglers' Rattus Norvegicus as a top-selling album blending punk aggression with Doors-like organ textures, art-punk experimentation (Ultravox!) with working-class anthems (The Clash's White Riot) and pub rock roots (Graham Parker). Emerging acts: Boomtown Rats' Stones-inspired swagger, Generation X's Your Generation parody, and Elvis Costello's unlikely success

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MUSIK EXPRESS

Nr. 11 November 77 DM 2,50 ÖS 20 SFR 2,80 DKR 7,20

Drei knallharte Farbseiten: LONDON



MUSIK EXPRESS  |  11 November 77  |   Page 32 & Page 33 & Page 34


Punk Szene in London

Seit einem Jahr sorgt der Punk-Rock für Schlagzeilen. Die Musikszene in England hat sich seitdem radikal verändert: in Amerika, Deutschland, Frankreich, Schweden und anderen Ländern bahnt sich der-zeit eine ähnliche Entwicklung an. Unterdessen schießen in Großbritannien und speziell in London neue Punk- und New Wave-Gruppen noch immer wie Pilze aus dem Boden. Viele von ihnen erreichen auch relativ rasch mit ihren ersten Platten die Hitparaden. Die wichtigsten und er folgreichsten englischen Bands der neuen Welle stellt der Musik Express nun vor. Der Überblick ist sicher nicht vollständig Namen wie „Stinky Toys", „999", „XCT" fehlen. Aber die abgedruckten Fotos und Steckbriefe erleichtern hoffentlich dennoch die Orientierung im sprießenden New Wave-Dschungel.

Das Aushängeschild der Punk-Bewegung sind nach wie vor die Sex Pistols. Sänger Johnny Rotton (Foto oben links), Baß-mann Sid Vicious, Drummer Paul Cook und Gitarrist Steve Jones traf die Gegenwehr des von den Punks angegriffenen Rock-Establishments sowie der engstirnigen und langweiligen Elterngeneration am heftigsten: Monatelang konnten sie nicht auftreten, wurden ihre Platten in Rundfunk und Fernsehen nicht eingesetzt. Zwei Platten-firmen kündigten nach kurzer Zeit wieder die Verträge mit der Band. Dennoch erreichten die Pistols mit ihrer ersten Single die Top Thirty und mit den nachfolgenden drei Schei ben die Top Ten. „God Save The Queen" wurde Nummer eins in England, Nummer zwei in Schweden und kam auch in Deutschland in die Single-Charts.

Die Sex Pistols spielen energie-geladenen, vor Zorn berstenden Rock mit kritischen Texten. Ihre besten Songs sind gleichwohl echte Ohrwürmer. Eine große Geschichte über die Pistols stand im ME 9/77.

Die bislang erfolgreichste New Wave-Band sind die Stran-glers, die ihre rohe Straßen-musik mit komplexen Klangge bilden aus Orgel und Gitarre anreichern und vom Sound her oft an die Doors erinnern. Ihr Debütalbum, Rattus Norvegicus" verblieb ein halbes Jahr in den britischen Top Ten und zählt zu den Bestsellern des Jahres. Die zweite LP, „No More Heroes", vor wenigen Wochen erschienen, wurde schon vor der Veröffentlichung 62.000mal bestellt. Zu den Stranglers (siehe auch ME 8/77) gehören Hugh Cornwell (g). Foto Mitte links, Jean Jaques Burnel (b), Dave Greenfield (Keyb) und Jeff Black (dr).


Viel von den Rolling Stones gelernt haben die Boomtown Rats, eine der intelligentesten und musikalisch faszinierendsten New-Wave-Gruppen (siehe Long-players). Ihr Titel „Looking After Number One" ist eine klassische fetzende Rocknum-mer und könnte auch bei uns Er-folg haben. Die Rats(Foto unten. links) kommen aus Irland und spielen in der Besetzung Bob Geldorf (voc), Simon Crowe (dr), Johnny Fingers (keyb), Gary Cott (g), Garry Roberts (g) und Pete Briquette (b).

(Foto Mitte unten), die sehr avantgardistische, kunstvolle New Wave-Collagen auf ihrem Debütalbum unterbrachte. In der Bundesrepublik wurden Ul travox! (außer John Foxx spie len hier noch Steve Shears, g; Warren Cann, dr; Billie Currie, keyb, vio; Chris Cross, b) durch mehrere Fernsehauftritte be kannt.

Saftiger Rhythm & Blues, verdichtet zu erstklassigen Songs mit mitreißenden Arrangements, ist die Spezialität von Graham Parker & The Rumour. Die Band stellt ein Bindeglied zwischen der ehemaligen, erfolg losen britischen Pub-Rock-Szene und der neuen Rockwelle dar. Parker (Foto unten halbrechts) der auch in den USA schon erfolge sammeln konnte, gilt heute als einer der besten Rocksänger überhaupt.

Knallharten, urwüchsigen, schnörkellosen Punk spielt die Band Generation X (Foto oben links). Ihre Single Your Ge-neration greift ironisch den Who-Song,My Generation" auf.

Sehr runde, eingängige und Rock 'n' Roll-nahe Songs ent-hält das Debütalbum von Elvis Costello (Foto oben rechts). Der gute Elvis, in der New Wave-Szene mit seinem Aussehen ein absoluter Anti-Typ, konnte sich hoch in den britischen Hitlisten plazieren und hat das Zeug, einer der großen kreativen Rock-interpreten derkommenden Jahre zu werden.

Schnell, laut und hektisch lärmt der Punk der Damned (Foto unten rechts). Auf al-len ihren Platten gibt es keine Zwischentöne und keine Virtuosi-tät, sondern nur ungezügelte, rauhe Kraft. Ihre erste LP war in England ein großer und in Deutschland ein kleiner, aber bemerkenswerter Verkaufserfolg. Die Gruppe bilden Brian James (git), Rat Scabies (dr), Dave Banian (voc), Captain Sensible (b) und Lu (git) Stark von Roxy Music be-einflußt wurde Ultravox, die Band um Sänger John Foxx Sozusagen die Veteranen des Punk sind Dr. Feelgood (Foto Seite 34, oben links). Sie orien-tieren sich ähnlich wie The Ru-mour stark am Rhythm & Blues und sind auch eine phäno-menale Live-Band. Bislang haben sie fünf LP's veröffentlicht. Die aktuelle Besetzung: John Mayo (g), Lee Brilleux (voc), John Martin (dr) und John B. Sparks (b).


Ganz einem großen Vorbild, den Who, eifern die Jam nach mit ihrem Sound ebenso wie mit ihrer Bühnenkleidung und ihrer Bühnenakrobatik. Der erste Longplayer von Paul Weller (voc, git). Bruce Foxton (b) und Rick Buckler enthält ein paar ganz gute, frische rund vor allem der Titelsong,In The City".

Eddi & The Hot Rods mittlerweile heißen sie nur noch Rods zählen zu den Punk-Bands der ersten Stunde und sind mittlerweile recht kom-merziell geworden. Sänger Barry Masters (Foto Mitte) stieg zum Mädchen-Idol auf, die Singles der Band wurden gleichwohl immer besser. In ihren Texten entpuppten sich die Rods als glaubwürdiges Sprachrohr der Jugendlichen. Programmatischer Titel ihrer Debüt-LP: Teenage Depression".

Zum harten Punk-Kern zählen die Clash zumindest auf musikalischer Ebene. Die poin-tierten, politischen Kommentare zur Gegenwart, die die unge-schliffene harte Clash-Musik transportiert, werden nämlich von vielen anderen Punk-Inter preten als unaufrichtige nio-dische Pose angesehen. Gleich-wohl wurden Sänger Joe Strum-mer, Gitarrist Mick Jones und Bassist Paul Simenon mit Songs wie,White Riot", „London's Burning" oder,, Police & Thieves" vom Publikum voll akzeptiert und in die Spitzengruppe der LP-Hitliste katapultiert.


MUSIK EXPRESS  |  11 November 77